
Einleitung
Wie gerecht sind Bildungschancen in Nordrhein-Westfalen wirklich? Diese Frage steht im Zentrum unseres Projekts. Bildung gilt als zentraler Schlüssel für soziale Teilhabe und individuelle Lebenswege – doch hängen Bildungserfolge möglicherweise stark von regionalen und sozioökonomischen Bedingungen ab?
Um dieser Frage nachzugehen, analysieren wir Schuldaten von über 4.000 Schulen in 53 Kreisen und kreisfreien Städten in NRW. Ergänzt werden diese Daten durch sozioökonomische Indikatoren auf regionaler Ebene, insbesondere das durchschnittliche Einkommen der jeweiligen Kreise, den Sozialindex sowie Schüler-Lehrer-Verhältnisse. Ziel ist es, mithilfe interaktiver Visualisierungen regionale Unterschiede sichtbar zu machen und Zusammenhänge zwischen regionalen Lebensbedingungen und Bildungschancen aufzudecken.

Methodik
Unser Projekt basiert auf einer Kombination verschiedener Open-Data-Quellen, darunter IT.NRW, VGR der Länder, Open Data NRW sowie GeoJSON-Daten für Kreisgrenzen. Diese Datensätze unterscheiden sich jedoch stark in Struktur und Aggregationsebene: Teilweise liegen sie nach Schulform, nach einzelnen Schulen oder bereits aggregiert auf Kreisebene vor.
Ein zentraler Arbeitsschritt bestand daher in der umfassenden Datenaufbereitung und Harmonisierung. Dazu gehörte:
Vereinheitlichung unterschiedlicher Datenformate
Aggregation einzelner Schuldaten auf Kreisebene
Umgang mit uneinheitlichen Schreibweisen (z. B. Umlaute)
Zusammenführung sozioökonomischer Kennzahlen (z. B. durchschnittliches Einkommen je Kreis) mit Bildungsdaten
Nach der Bereinigung führten wir explorative Analysen durch und erstellten interaktive Visualisierungen. Mithilfe von Plotly entwickelten wir Karten und Heatmaps, die regionale Unterschiede sichtbar machen.
Als Endprodukt des Projekts entstand außerdem eine interaktive Webanwendung, die mit Python und Streamlit umgesetzt wurde. Die Anwendung bündelt die wichtigsten Analysen und Visualisierungen in einer übersichtlichen Oberfläche und ermöglicht es Nutzerinnen und Nutzern, die Daten selbstständig zu erkunden. Besonders die interaktiven Karten erlauben es, in einzelne Regionen hineinzuzoomen und regionale Muster genauer zu betrachten, wodurch Unterschiede zwischen Kreisen intuitiv sichtbar werden. Die Anwendung macht unsere Datenanalyse damit nicht nur nachvollziehbar, sondern auch für Personen ohne Programmierkenntnisse zugänglich.

Ergebnis
Unsere Analysen zeigen deutliche regionale Ungleichheiten in den Bildungschancen innerhalb Nordrhein-Westfalens.
Zentrale Erkenntnisse:
Starke Einkommensabhängigkeit auf regionaler Ebene: Kreise mit höherem durchschnittlichem Einkommen weisen tendenziell bessere soziale Ausgangsbedingungen (niedrigerer Sozialindex) auf.
Ungleichheiten in der Betreuung: In benachteiligten Kreisen kommen auf eine Lehrkraft häufig 13–15 Schüler, während es in wohlhabenderen Regionen nur etwa 10–12 sind.
Segregation bei Gymnasien: Gymnasien konzentrieren sich überproportional in wohlhabenderen Kreisen, was strukturelle Zugangsbarrieren verstärken kann.
Regionale Disparitäten: Zwischen den best- und schlechtestgestellten Kreisen bestehen erhebliche Unterschiede in zentralen Bildungsindikatoren. Ein wichtiges Learning war, wie entscheidend eine saubere Datenintegration ist, um belastbare Aussagen treffen zu können. Gleichzeitig zeigte sich, wie wirkungsvoll interaktive Visualisierungen sind, um komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen und Transparenz zu schaffen.
Unsere Ergebnisse verdeutlichen: Regionale sozioökonomische Strukturen hängen eng mit Bildungsbedingungen vor Ort zusammen. Die Analyse kann damit als datenbasierte Grundlage für politische Diskussionen, Bildungsforschung und evidenzbasierte Reformen dienen – etwa durch gezielte Investitionen in benachteiligte Regionen, bessere Betreuungsrelationen und mehr Diversität in Schulangeboten.
Team
Chantal Reerink
Franka Eberhardt
Serhat Karaarslan
Andreas Ahrens
Mentor:in

Sebastian Dell








